Ecuador

Im Sommer 2012 bin ich für zwei Monate als Freiwillige der Missionare Identes nach Ecuador gegangen. Die Idee an einem Freiwilligendienst teilzunehmen, kam relativ spontan, weil ich meine Semesterferien sinnvoll nutzen wollte und als ich im Februar von einer Missionarin zu einer Informationsveranstaltung eingeladen wurde, stand mein Entschluss sehr bald fest, für einige Zeit ins Ausland zu gehen und dort vor allem Englisch zu unterrichten.
So kam ich Mitte Juli nach einer 24-stündigen Reise etwas erschöpft, aber mit allen Gepäckstücken im Flughafen von Quito an und wurde von zwei Missionarinnen abgeholt. Nach zwei Tagen der Gewöhnung an die neue Umgebung ging es von der in 3000 m hoch liegenden Hauptstadt, noch mal 1000 m höher, in ein Dorf namens Huayrapungo. Schon die Fahrt dorthin war abenteuerlich, denn wir waren in einem Laster unterwegs, im hinteren Teil versteht sich.  Mit den insgesamt acht anderen Freiwilligen verbrachte ich eine Woche in diesem Dorf. Weil es vor allem nachts doch ziemlich kalt war, haben wir in einem Klassenraum in Zelten geschlafen. Tagsüber haben wir die Kinder in Mathe und Spanisch unterrichtet, aber auch einige Spiele, Bastelarbeiten und Lieder mit ihnen gemacht. Nach dem Mittag haben wir immer die Familien besucht, uns unterhalten, sie zu den Veranstaltungen eingeladen. Diese Familienbesuche waren sehr interessant für mich, weil die Leute in dem Dorf sehr einfach und auch abgelegen leben, sodass wir meistens ein paar Stunden unterwegs waren, um 2-4 Familien zu besuchen. Am Abend hat sich die ganze Gemeinde noch mal mit uns in der Kapelle getroffen und wir hatten Gelegenheit ein wenig in Kleingruppen vom Evangelium zu sprechen. Mit diesem Tagesprogramm ging die Woche sehr schnell vorbei. Die Dankbarkeit der Leute war überwältigend und obwohl sie selbst so wenig hatten, ließen sie es sich nicht nehmen, uns reichlich zu beschenken, mit dem was sie hatten: Eier, Kartoffeln, Hülsenfrüchte und Wasser.
Dann ging es für wenige Tage zurück nach Quito, denn schon wartete das nächste Projekt auf mich: die Mission Idente Ecuador. Wesentlich komfortabler durfte ich diesmal im Reisebus die elfstündige Reise von Quito in den Süden Ecuadors nach Loja auf mich nehmen. In Loja angekommen, wurden die über 250 jungen Freiwilligen in Kleingruppen aufgeteilt und in Dörfer in ganz Ecuador ausgesendet. Mit sieben weiteren Freiwilligen kam ich in ein Dorf namens La Tingue. Dort hatten wir die Möglichkeit, sowohl in der Grund- als auch in der weiterführenden Schule Workshops für die Kinder und Jugendlichen anzubieten. Ein besonderer Moment für mich in dieser Zeit war, dass ich vor einer Gruppe von Lehrern meinen ersten Vortrag auf Spanisch halten konnte. Auch in diesem Dorf fiel mir besonders die Gastfreundlichkeit der Einwohner auf. So hat uns eine Frau für die Woche ihr Haus überlassen, dass wir darin übernachten konnten und hat in der Zeit bei ihrer Mutter übernachtet. Außerdem haben die Bewohner am letzten Tag für uns ein Schwein geschlachtet und uns zum Essen eingeladen.
Zurück in Quito ging es dann nicht mehr ganz so abenteuerlich, aber trotzdem nicht weniger spannend zu. Denn dann unterrichtete ich Englisch an einer Schule. Zur Schule sind wir im Auto gefahren und mussten 6 Uhr das Haus verlassen. Da wir meist sieben Leute im Auto waren, war mein Lieblingsplatz sehr bald der geräumige Kofferraum. Die ersten zwei Wochen gab ich einen Vorkurs für Kinder und Jugendliche, weil noch Ferien waren. In der Schulzeit durfte ich dann einen Englischlehrer vertreten und hatte 40 erwartungsvolle Gesichter mir gegenüber zu sitzen. Das Unterrichten hat mir viel Freude bereitet. In den Freistunden und nach dem Unterricht hatte ich außerdem die Möglichkeit im Sekretariat auszuhelfen.
Auch an den Wochenenden in Quito kam keine Langeweile auf. Samstags Vormittag sind wir in ein Krankenhaus für Dermatologie gegangen. In diesem Krankenhaus finden vor allem die Leprakranken eine Unterkunft. Einige Betroffene leben schon über 60 Jahre auf dem Krankenhausgelände und haben kaum die Möglichkeit das Gelände zu verlassen. Damit die Kranken aus ihrem Alltagstrott herauskommen, gestalten Freiwillige regelmäßig für einige Stunden  ein Programm für sie. Es wird gespielt, gebastelt, gerätselt, geredet. Es ist wichtig, dass die Betroffenen in dieser Zeit auch ein bisschen gefordert werden, damit sie aus sich herauskommen und ihre grauen Zellen ein wenig anstrengen können. Für die Bewohner des Krankenhauses war unser Kommen immer einer der Lichtblicke der Woche. Auch ich habe von diesen Veranstaltungen viel mitgenommen. Ich habe ein wenig von mir mit den anderen geteilt und dafür so viel mehr an Freude und Dankbarkeit zurück erhalten.
Ich habe in dieser Zeit in Ecuador unglaublich viele Erfahrungen und Eindrücke gesammelt und bin unendlich dankbar dafür, diese Möglichkeit bekommen zu haben. In dieser Zeit habe ich nicht nur mein Spanisch verbessert und ein mir bis dahin fremdes Land kennen gelernt, sondern meine Probleme wurden in dieser Zeit auch in anderes Licht gerückt und fast unbedeutend, im Vergleich zu den Schicksalen anderer Menschen. Ein Freiwilligendienst im Ausland, egal in welches Land, hilft dabei in vielen Aspekten seinen Horizont zu erweitern.
Rebecca