Wir haben hier jedenfalls eine sehr schöne und gnadenreiche Heilige Woche erlebt. Auch wenn mir ein paar marbacher Traditionen ein bisschen gefehlt haben wie Klappern und vor allem der Dienst am Altar, bin ich sehr froh, die Kar- und Ostertage hier in Kamerun mit den Schwestern und Brüdern verbracht zu haben. An Traditionen fehlt es hier jedenfalls nicht. Ich dachte, dass die Fastenzeit schon sehr laut und lebhaft war, aber die Osterfeiern haben das ganze noch getopt. Wer nach diesen Messen nicht mitbekommen hat, dass Christus wahrhaft auferstanden ist, dann weiß ich auch nicht weiter… Alles fing an am Palmensonntag mit einer sehr schönen Messe, einer Palmprozession mit echten! Palmzweigen und einem nachmittäglichen Spaziergang zwischen Palmen, Mango- und Bananenbäumen. Ich habe eine Deutsche kennengelernt, aus dem wunderschönen Hofgeismar, die hier ein Praktikum im Krankenhaus macht, aber diese Woche schon wieder heimfährt. Das lustige ist, dass sie fast so alt wie ich ist und auch fast genauso aussieht. Die Kameruner hielten und jedenfalls für Zwillinge oder zumindest Schwestern. Donnerstag, Freitag und Samstag hatten wir jeweils vormittags eine Art Glaubenskurs mit Katechesen (Eucharistie, Leiden und Auferstehung) und Gebet, zu dem wir die Brüder und engsten Gemeindemitglieder eingeladen hatten. Für die Abendmahlsfeier war ich in Soa und habe mit den Studenten die Eucharistie als großes Geschenk gefeiert. Karfreitag war ich zur Liturgie in unserer Pfarrei. Alles, was es dort an Traditionen gibt, wurde in die Liturgie integriert oder hinzugefügt. Alles war echt gelungen, aber dadurch das nicht nur die Kirche gestopfte voll war, sondern auch das ganze Gelände drumherum, hat halt alles ein bisschen länger gedauert: 4 Stunden! Eine Tradition ist zum Beispiel, dass alle Gruppen der Pfarrgemeinde (und das sind sehr viele) tanzen, sich als eine Person des Neuen Testaments vorstellen und den Priester fragen, warum Christus sterben musste. Eine andere Tradition war, dass die Passion in Ewundo (das ist die traditionelle und geläufige Sprache hier) gesungen und gespielt wird. Die Lesungen und das Evangelium sind hier generell immer bilingual à Manguier in französisch und ewundo und in Soa auf Französisch und Englisch. Samstagabend haben wir dann die Osternacht gefeiert und das war wirklich eine Feier! Mit ganz vielen Katechumenen, die Taufe und Eucharistie empfangen haben. Es war sehr schön, die Kirche so schnell und großartig wachsen zu sehen. Das Exultet wurde vom Chor Ewundo mit Tanz um den Altar gesungen, einfach der Wahnsinn, alles tanzt und singt. Auch haben wir gesehen, dass Christus wirklich das Licht ist, was nie verlöscht und in aller Finsternis leuchtet: Mitten während der Predigt hatten wir Strom- und somit auch Mikro- und Lichtausfall. Die ganze Kirche war stockfinster, nur die Osterkerze hat noch gebrannt. Voilà, la lumière dans toutes les ténèbres. Sonntagmorgen war ich dann wieder bei den Studenten in der Messe, wo wir noch zwei Kindertaufen hatten und wunderbaren Chorgesang! Justo, ein Priester von uns, hat in seinen Dankesworten erwähnt, dass es so schön war, dass selbst die Deutsche, die unter euch ist, die Chöre am liebsten einpacken und mit nach Deutschland nehmen würde. Und das stimmt! Im Anschluss an die Messe, haben wir uns noch mit den Studenten im Pfarrzentrum getroffen und gemeinsam Ostern mit Essen und Gesang gefeiert. Abends kamen dann die Brüder zu uns Schwestern, wir hatten einen kleinen Impuls, ein gemeinsames Osterabendessen und einen Bunten Abend. An gutem Essen, guter Laune und Auferstehungsfreude hat es jedenfalls nicht gemangelt! Heute ging dann schon wieder der Alltag mit Schule und Co los. Was mich sehr gefreut hat, dass ich heute sogar wirklich unterrichten durfte: In einer Troisième (ca. 8. Klasse), 2 Stunden und vor über 120!! Schülern.