Stadtbesichtigung mit den Schwestern
Mein Name ist Alexa, ich bin 19 Jahre alt und habe von Oktober bis Dezember einen Freiwilligendienst in Lima, Peru gemacht.

 
Los ging es mit dem ersten Treffen. Über meine Cousine hatte ich über diesen Orden gehört, da sie auch schon einmal mit den Missionaren in Bolivien war. Ich hatte mein erstes Gespräch mit Pilar Martín und sie erzählte mir schon viele Dinge über den Freiwilligendienst. Danach ging es dann mit vielen weiteren Treffen weiter. Ob es beim PUJ war oder auch so einige Ausflüge über mehrere Tage, bei denen ich dabei bin. Ich lernte immer mehr das Charisma des Ordens und deren Lebensstil kennen. Bei vielen Gesprächen konnte ich meine vielen Fragen stellen und auch oft mein Spanisch austesten, das ich zuvor sieben Jahre in der Schule erlernt hatte. In der Schule machte mir die Sprache sehr viel Spaß und als ich wusste, dass ich ins Ausland gehen möchte, war mir sehr schnell klar, dass es mich nach Südamerika zieht, nicht nur wegen der Sprache, sondern auf aufgrund der Kultur. Ich erkundigte mich also, in welchen Ländern ich den Freiwilligendienst machen kann und mir wurden Bolivien, Ecuador und Peru vorgeschlagen. Mir war das eigentlich egal, wohin es gehen sollte. Das wichtigste für mich war, dass ich dorthin gehe, wo meine Hilfe am meisten gebraucht wird. Im Juni stand es dann fest: es geht nach Peru. Als ich das wusste, freute ich mich nur noch umso mehr. Es folgten noch weitere Gespräche und auch mehrere Reisen beziehungsweise Ausflüge, bei denen ich sogar auch schon meine Verantwortliche in Peru Pilar Bandrés kennenlernte.

 

Im Oktober 2017 stieg ich dann mit einem lächelnden und einem weinenden Auge ins Flugzeug. Ich wusste, dass ich meine Familie eine Weile nicht sehen werde, trotzdem war ich aufgeregt und voller Vorfreude. Einige Fragen stellte ich mir: Wo werde ich wohl wohnen? Ist es in Lima gefährlich? Komme ich damit klar, weniger Privatsphäre zu haben? Und wie sind die Schwestern?

 

Natürlich war es für mich ein großer Vorteil, dass ich Pilar Bandrés schon vorher in Deutschland kennengelernt habe. Somit wusste ich schon vorher, dass ich in Perú gut aufgehoben sein werde. Nach vielen Flugstunden und auch ein paar Herausforderungen, wie zum Beispiel auszufüllende Formulare, stand Pilar schon bereit, um mich abzuholen. Schon auf dem Weg redeten wir viel über die Reise und generell Peru und ich realisierte, dass der Wohlstand Perus anders aussah, als gedacht. Im Haus wurde ich sofort von allen herzlich empfangen und mir wurde auch gleich etwas zu essen angeboten, doch leider war ich zu müde von der Reise. Den ersten Tag durfte ich mich erst einmal von der Reise erholen und in der neuen Zeitzone ankommen.

 


Der nächste Tag sollte dann mein erster Arbeitstag in der Kita sein. Ich machte mir natürlich Gedanken, ob ich die Kinder verstehen werde und es war zugegebenermaßen zum Anfang auch etwas schwer, aber mit der Zeit wurde es immer besser und auch in der Gemeinschaft erhöhte sich mein Wortschatz schnell. Die Arbeit mit den Kindern machte mir immer mehr Spaß und die Kinder wuchsen mir immer mehr ans Herz. Auch die Kollegen waren sehr nett und mit ihnen zusammen kümmerte ich mich um die Kinder. Ich war in der Krippe bei den ein- bis dreijährigen Kindern, die in drei
Altersgruppen unterteilt waren, und half bei den Mahlzeiten, brachte die Kinder ins Bett zum Mittagschlaf und warf bei den täglichen Aktionen immer ein Auge auf sie, damit das Miteinander unter den Kindern friedlich abläuft. Gerade dadurch, dass ich in der Adventszeit da war, machte das den Aufenthalt in der Kita und der gesamten Schule besonders viel Spaß. Für die Kinder von Krippe bis Kindergarten stand jede Adventswoche unter dem Motto einer anderen Farbe: die erste Woche hatten alle Kinder rote Sachen an, dann blau und so weiter. Jede Woche wurde auch von einer anderen Kindergartengruppe ein kleines Schauspiel aufgeführt und zum Schluss war sogar meine Krippe dabei. Außerdem war ich sehr überrascht, wie engagiert meine Kollegen waren: Jedes Kind aus meiner Gruppe hatte etwas gebastelt beziehungsweise viel daran teilgehabt. Ob es Rentier-Kopfschmuck mit den eigenen Händen als Geweih oder ein Engel in einer Flasche war, die Kinder arbeiteten viel daran und der Rest wurde von den Erziehern erledigt. In meiner Zeit im Kindergarten lernte ich durch viele Kinderlieder auch so manch neuen Wortschatz und das schönste war, wenn dann die Kinder einfach auf dich zu gerannt sind und dich umarmt haben. Spätestens da wusste man, dass die Kinder einem ganz schön fehlen werden.

 

Wie schon gesagt, stellte ich mir vorher die Frage, ob ich damit klarkommen werde, weniger Privatsphäre zu haben, da wir in der Gemeinschaft zu fünft in einem Raum schliefen. Da stellte sich dann aber schnell heraus, dass das gar kein Problem ist und auch die Schwestern waren alle superlieb und halfen mir bei allem. Ich durfte sogar das Votos von Grecia, der mit 19 Jahren Jüngsten der Gemeinschaft, miterleben. Ich nahm an vielen Morgen- und Abendgebeten in der Kapelle teil und sonntags gingen wir in eine große und wunderschöne Kirche. Die Schwestern waren alle sehr herzlich und ließen sich auch sehr viel für mich einfallen, wofür ich sehr dankbar bin und was mich sehr berührt hat. Wir waren in Museen und haben uns die Stadt angeguckt. Auch ich buk mit ihnen zusammen in der Adventszeit deutsche Plätzchen und am Abendbrottisch unterhielten wir uns viel über den Tag und viele weitere Dinge.

 


Als ich wusste, dass ich ins Ausland gehen möchte, war für mich sofort klar, dass ich über Weihnachten dort bin, um dieses Fest in einer anderen Kultur kennenzulernen und mitzufeiern. Ich war sehr froh, dass ich zu Weihnachten in der Gemeinschaft war. Wir machten uns schick, gingen dann in die Kirche, wo mich zum Beispiel der Chor sehr gerührt
hat, und danach wurde zu Hause gefeiert. Es gab viel Essen und wir sangen, musizierten, spielten viele Spiele, sahen einen Film und hatten sehr viel Spaß zusammen.

Dann hieß es aber leider schon Abschiednehmen. Ich verabschiedete mich bei allen und zwei Schwestern brachten mich sogar noch zum Busbahnhof, worüber ich auch sehr erleichtert war, da das meine erste Aktion alleine so weit weg von zu Hause war. An meine zwei Monate Freiwilligendienst in Lima schloss sich nämlich noch eine weitere zweimonatige Reise fast ausschließlich alleine durch Peru und Chile an. Pilar gab mir sehr viele Tipps über gute und schlechte Busunternehmen und allgemein zu beachtende Dinge in Peru. Nachdem ich zwei Orte besucht hatte, sollte ich aber einige nochmal für anderthalb Wochen wiedersehen. In dieser Zeit lag das Sommercamp für Jugendliche in Abancay, an dem ich teilnehmen durfte. Die Kinder beziehungsweise Jugendliche waren 13 bis 20 Jahre alt. Zusammen erklommen wir mehrere Berge, veranstalteten eine Olympiade, guckten Filme und vieles mehr. Am letzten Abend buken wir zusammen Plätzchen und ich brachte ihnen einen Tanz bei. Somit war aber leider auch schon das Ende des Sommercamps erreicht und ich musste nun wirklich von allen (hoffentlich nicht für immer) Abschied nehmen.

Ich bin froh, dass ich so eine tolle „Familie“ dort hatte, die mich bei allem unterstützt und mir viel geholfen hat. Lima ist für mich eine zweite Heimat geworden und ich würde diese Reise jederzeit nochmal antreten. Ich habe am anderen Ende der Welt sehr viel erlebt, gelernt (und damit meine ich nicht nur die Sprache) und viele Freunde gefunden und ich freue mich jetzt schon, sie vielleicht eines Tages wiederzusehen.