Eine Reise ins Unbekannte, in die Ferne ... Aber ins vielleicht doch so Bekannte? China, als bevölkerungsreichstes Land der Welt und seine Hauptstadt Beijing, mit 21 Millionen Einwohnern, stellte von Anfang an die Ambivalenz unserer Welt dar: Modernste Technologie, die den Fortschrittswillen der Menschen suggeriert, lebt Hand in Hand mit traditionellen, jahrtausende alten Gebäuden, Plätzen wie z.B. dem „Tianmen Square“ (der Platz zum Himmel) und Tempeln – von hoher lokaler sowie auch touristischer Bedeutung der „Lama-Tempel“, der älteste buddhistische Tempel in Peking. Was uns dort erwarten würde, darüber war sich keiner der Vertreter des Universalen Jugendparlaments des jeweiligen Landes völlig bewusst, doch was wir alle wussten war: Wir werden auf eine Gemeinschaft von Menschen mit dem gleichen Ziel treffen, wir alle – unabhängig von unserer Nationalität und unserem Glauben – haben das Ziel, eine menschliche Gemeinschaft zu gestalten, die von Vergebung, Verständnis und nachsichtigem Miteinander geprägt sein soll. Und dieser Prozess muss bei uns selbst beginnen.

Kennenlernen und kultureller Abend 06.08.
Als wir als deutsche Delegation am ersten Tag im „International Convention Centre“ von Peking ankamen, hatten wir leider nicht mehr die Chance, die kulturelle Einführung mit chinesischer Musik und Tanz zu sehen, da ich kurz zuvor aufgrund eines allergischen Asthmas in die Notaufnahme der einer lokalen Klinik fahren musste. Als diese anfängliche Startschwierigkeit jedoch überwunden war, konnte es dann losgehen. Am ersten Abend, Sonntag, wurden wir gleich von zwei Missionaren, Pjeter aus den USA und Daniel aus Rom, empfangen und in die Räumlichkeiten und Zimmer geführt. Die Zimmerverteilung war sehr geschickt gestaltet, denn keiner sollte sich nur mit Leuten aus seinem eigenen Land aufhalten und unterhalten. Somit wurden die verschiedenen Nationalitäten auf die Räume verteilt, um sich kennenzulernen und austauschen zu können. Von Anfang an wurde löblicherweise sehr hoher Wert auf diesen intensiven interkulturellen Austausch gelegt, was im weiteren Verlauf des Berichts noch zur Geltung kommen wird.

Einführung in die Veranstaltung, Gruppenarbeit am Manifest und Spieleabend 07.08.
Nach einer kurzen, aufregenden Nacht begann unser Montag, der 7.8., dann mit einem chinesischen Frühstück im Essenssaal. Doch auch hier sollte die Gruppendynamik- und bildung keineswegs dem Zufall überlassen werden. Hier hatten sich die Missionare wieder eine sehr schöne Idee ausgedacht: Wir waren dazu angeleitet, Farbzettelchen zu ziehen und uns mit unseren Farbpartnern an denselben Tisch zu setzen. Kultureller Austausch pur! So konnten sich die verschiedenen Nationalitäten ungezwungen und bei chinesischen „Germknödeln“ (Teigkugeln mit Bohnen oder Hackfleisch gefüllt) über ihre Herkunft, Interesse am WYP-Projekt und vieles mehr austauschen. Nachdem wir uns also für den ersten Tagesabschnitt stärken konnten, fanden wir uns alle im Konferenzsaal zusammen und wurden von Missionar Pjeter, welcher die Moderation während der gesamten Zeit leitete, begrüßt.
Da einige Teilnehmer, zum Beispiel Delegation aus China, völlig neu im Thema war und das WYP erst vor Ort richtig kennenlernte, gab er zu Beginn eine kurze Einführung in das Thema Vergebung und in welcher Form sich die internationalen Gruppen damit beschäftigt hatten. Dann stellten sich die Organisatoren der Veranstaltung, also die Missionar*innen Therese Gerstner, Pilar Cediel, Cristina Diaz, Taniya George, Eleanna Guglielmi und Pjeter Nilaj sowie der Vizepräsident der Fernando Rielo Stiftung, Luis Casasus, vor. Im Anschluss darauf war dann auch schon die Länderpräsentation mit den Arbeitsergebnissen zum Thema Vergebung an der Reihe. Da wir so viele unterschiedliche Nationen waren, war diese Phase sehr kurz und intensiv, da alle innerhalb von 5 Minuten ihre vielfältigen und erkenntnisreichen Ideen zum Thema vorstellten, welche ich hier leider aus Platzgründen nicht weiter ausführen kann. Mein Eindruck hierbei war, dass sich alle WYP-Gruppen äußerst intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt hatten und jede Gruppe die andere durch ihre Ideen ergänzen konnte.
Im Anschluss daran hatten wir eine Ruhe- und Lesephase, in der uns das erste Skript des Manifest, welches aus den Ideen aller Delegationen zusammengesetzt war, gegeben wurde und wir nochmal unsere Anmerkungen und Verbesserungen hinzufügen sollten. Nach dem Mittagessen wurden wir dann in Arbeitsgruppen bezüglich der einzelnen Abschnitte des Manifests eingeteilt. Hierbei konnten alle, abgesehen von den Sekretären und Präsidenten der einzelnen Gruppen, ihre Präferenz für ein Teilgebiet aussprechen und wurden dementsprechend eingeteilt. Ich war in diesem Fall Sekretärin der Gruppe mit dem Thema „The journey of asking for forgiveness“ und somit hatte ich die Gelegenheit, die Perspektive der Teilnehmer aus China, Indien, den USA, Italien, Spanien und den Phillipenen kennenzulernen. Wirklich bemerkenswert bei dieser intensiven Gruppenarbeitsphase war die immense Genauigkeit, mit der alle Anwesenden ihre Sichtweise und Meinung darlegten. Jedes Wort wurde auseinandergenommen, betrachtet und stellenweise ersetzt, um das Maximum an Verständlichkeit für themenfremde Leser zu erreichen. Ich gehe davon aus, dass dies in allen Gruppen der Fall war, denn das Endresultat war eine äußerst genau überarbeitete Version der Anfangsskripts. Um diesen zweiten, sehr intensiven Abend nach einem wieder kommunikativen und austauschreichen Abendessen dann ausklingen zu lassen, hatten sich Therese und Taniya ein paar interaktive Gesellschaftsspiele einfallen lassen, bei denen der Gruppenzusammenhalt und das Kennenlernen nochmal gefördert und gefordert wurden.

Athenäum und WYP in Art 08.08.
Am darauffolgenden Tag, am Dienstag, erwartete uns wieder eine ganze Reihe an Aktivitäten. Nicht nur trafen wir uns am Morgen noch ein weiteres Mal in unseren Arbeitsgruppen, um nun die finale Version des Manifests zu erstellen, sondern mussten wir uns auch in kleinen Pausen und Zwischenzeiten auf das Äthenäum und den WYP in Art Contest vorbereiten. Wie wahrscheinlich aus meiner Beschreibung zu entnehmen ist, war es garnicht so leicht, all diese Aufgaben gleichzeitig zu managen und eine gute Performanz in allem hinzulegen! Doch alle meisterten diese Herausforderungen exzellent und die kulturellen Präsentationen am Ende des Abends waren geschmückt von unglaublicher Kreativität und Begeisterung auf Seiten aller Beteiligten. Von einer Präsentation chinesischer Kalligraphie mit begleitender Querflötenmusik, über spanische, philippinische Folklore und amerikanische moderne Tänze , nationale Poesie aus Spanien und Ecuador, einem mexikanischen Gesangssolo, indischen Bollywoodtänzen und natürlich einer deutschen Songkreation zum Thema Vergebung hatte der Abend rein kulturell wirklich für jeden Geschmack etwas zu bieten. Eine Verbindung von Kultur, Kunst und der Bearbeitung des Themas Vergebung gelang dort außerordentlich gut und bewies die Kreativität, Kraft und den Willen aller Teilnehmer, ihre eigene Interpretation zum Thema verständlich und interessant zu gestalten.

Treffen mit chinesischer Partnerorganisation, Unterzeichnung des Manifest und Sightseeing 09.08.
Soweit so gut. Nach diesem Abend hatten sich wirklich alle Teilnehmer kennengelernt, Erinnerungs-Selfies geschossen und Facebook-Adressen ausgetauscht. Wir haben zusammen gelacht, aber auch viel nachgedacht. Geschwiegen, aber uns auch sehr intensiv ausgetauscht. Und am folgenden Tag war es dann soweit: Am Mittwoch präsentierten wir das nach harter Arbeit, stundenlangem Wörterkorrigieren, Dezidieren und Ausbessern fertiggestellte Manifest vor der chinesischen Partnerorganisation, der Chinese People's Association for Friendship with Foreign Countries (CPAFFC). Nach einer Einführung auch zum wirtschaftlichen und politischen Aspekt von Freundschaft unter Ländern durch einen Vertreter der „Belt and Road Initiative“ (eine wirtschaftlich-politische Organisation in China, zur Stärkung internationaler Handelsbeziehungen), hielt der Präsident der CPAFFC eine kurze Rede über seine Dankbarkeit und großem Interesse an diesem Austausch auf kultureller Ebene und auch die Organisatoren der internationalen WYP- Konferenz sowie einige von uns sogenannten „WYPers“ kamen zum Zug. Die Organisatoren bedankten sich für unsere intensive Mitarbeit sowie erzählten sie ihre persönliche Interpretation von Vergebung. Drei von uns „WYPern“, eine italienische Teilnehmerin sowie eine chinesische und meine Wenigkeit, sollten dann im Kontext eines Interviews mit Missionar Daniel Zeugnis über unsere Erfahrung mit Vergebung ablegen und welche Bedeutung dieses Thema für uns ganz persönlich in unserem alltäglichen Leben hat. Darauffolgend wurde das Manifest dann von 5 anderen Teilnehmern feierlich vorgetragen und von allen Beteiligten unterzeichnet. Ich persönlich fand diese Zeremonie als Abschluss der Veranstaltung sehr schön, da die interkulturelle Begegnung auch in diesem Moment sehr intensiv gelebt wurde und die chinesische Partnerorganisation sowie auch die internationale WYP-Gruppe ihre interessanten Erfahrungen und Ideen zum Thema Vergebung mit allen teilen konnten.

Sightseeing und Abschlussabend 09./10.08.
Wow, geschafft! Nach diesen 3 Tagen Tagen intensiver geistiger, kreativer und auch körperlicher Arbeit sollte dann alles mit einer Stadtrundfahrt durch Beijing ausklingen ... Also ab ging es dann noch zum Tianmen-Square (einer der größten öffentlichen Plätze mit einem Mausoleum von Mao Tsetung), zur chinesischen Mauer und zur Verbotenen Stadt (ein Bereich in der Stadt, der bis 1911 von den Angehörigen der chinesischen Dynastien bewohnt wurde und der Öffentlichkeit verwährt war, inzwischen jedoch zu kulturellen Zwecken geöffnet ist).
Und am letzten Abend kamen wir dann nochmal alle gemeinsam zusammen, um über „WYP in future“ zu sprechen ... So viele Pläne, so viel Motivation, so viele Ideen. Auf dass uns noch viele weitere gemeinsame Projekte zusammenbringen und generativ werden lassen! Für alle steht fest: Dieses Treffen war eine äußerst bereichernde Chance, über die Arbeit des WYP in den anderen Ländern zu erfahren, sich zu vernetzen und neue Projekte im eigenen Land zu fördern, auszuweiten oder auch (wie z.B. in China) zu beginnen. Vor uns liegt noch ein langer Weg, um mehr Menschen für eins der wichtigsten Themen, die es wahrscheinlich in unseren Leben geben könnte, zu begeistern, doch wir sind alle entschlossen, dafür unsere Zeit und Energie aufzuwenden!

Abfahrt 11.08.
Danke liebe Missionare Identes für diese einmalige Chance, diesen kostbaren Austausch von Kultur, Werten und Zukunftsperspektiven einer neuen Welt und der Verbesserung unserer menschlichen Beziehung zu fördern.